Donnerstag, August 23, 2012

FFF-Ticker: Killer Joe


Mit seinem NC-17-Rating ist für Killer Joe in den USA wohl nur noch ein kommerzieller Erfolg auf DVD, Blu-ray und VoD möglich. Die harte Einstufung der MPAA lässt sich durch die für US-Produktionen hohe Anzahl an sexuellen Handlungen sowie 'full frontal nudity' erklären. Zwar gibt es auch einige Szenen brutaler Gewalt, jedoch nichts, was man nicht schon in R-Rated-Filmen, teilweise sogar deutlich heftiger, gesehen hätte.

Von diesem Rating-Skandälchen einmal abgesehen, ist William Friedkin mit Killer Joe erneut ein großartiges Kammerspiel gelungen. Seine Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Tracy Letts ist offenbar äußerst fruchtbar. Denn schon Bug, der vor fünf Jahren auf dem Fantasy Filmfest lief, strahlte eine ähnlich einnehmende Intensität aus. Geschuldet ist dies im Fall von Killer Joe vor allem dem exzellenten Ensemble der Schauspieler. Matthew McConaughey verleiht dem gleichermaßen charismatischen wie perversen Detective und Auftragsmörder Joe eine ungewöhnliche, nicht vorhersehbare Satzmelodie, lässt die Figur in der Schwebe zwischen manipulativem Bösewicht und texanischem Gentleman. Das noirhafte Handlungsgeflecht um einen Auftragsmord und die damit verbundene Auszahlung der Lebensversicherung ist nur ein Vorwand, um uns die schrägen Figuren aus Dallas' Unterschicht vorzuführen. Gina Gershon als schlampige Trailertrash-Femme-fatale und vor allem Thomas Haden Church als geistig minderbemittelter, aber extrem liebenswerter Autoschlosser, hat man selten so gut gesehen. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Rollen ein Äußerstes an Körpereinsatz verlangen.

Killer Joe überzeugt durch seinen tiefschwarzen Humor und überrascht - ja schockiert sicherlich auch das eine oder andere MPAA-Mitglied - durch eine Episode gegen Ende, in der ein Stück paniertes Hühnchen im Zentrum steht.

Highlight.
9/10

Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Dürfte dich nicht überraschen, dass ich mit meinem schlechten Filmgeschmack den lediglich durchschnittlich empfand. Eine 08/15-Krimistory, in der McConaughys Figur noch das Uninteressanteste war. Wenig beeindruckend, noch weniger schockierend (umso unverständlicher das FSK-Theater) und einfach... total gewöhnlich. Aber war schön, mal wieder die Gershon zu sehen.

Jochen hat gesagt…

Auf dich ist halt Verlass, Rudi! :)

Hat die FSK nach der MPAA nun auch rumgemeckert? Hätte ich nicht erwartet, schließlich sind die sexuellen Perversitäten des Films nach europäischem Maßstab nun nicht gerade weltbewegend.