Mittwoch, August 22, 2012

FFF-Ticker: Eröffnungsfilm - Sightseers


500 Filme habe sie für dieses Fantasy Filmfest sichten müssen, erklärte die Berliner Rosebud-Abgeordnete Fredi zur Eröffnung und erntete sofort ein kollektives Beileidsseufzen. Fredi führte weiter aus, dass ihr ab einem gewissen Punkt körperlich schlecht geworden wäre, weil viele der eingereichten Filme so grottig seien. - Derart kritisch ist die Eröffnungsansprache des Fantasy Filmfests noch nie geraten. Harsche Kritik an der Qualität der vom Publikum so geliebten Genrefilme? Das steht im Kontrast zu den traditionell überschwänglichen Darstellungen im Programmheft und ist schon deshalb äußerst begrüßenswert. Freilich wurde über die 70 fürs Fest ausgewählten Produktionen nichts Negatives gesagt, aber die ablehnende Haltung gegenüber dem Gros gegenwärtiger Genreproduktionen von Leuten, die auch auf der Suche nach Trash sind, zeigt, dass dieser Tage offenbar zu viel produziert wird. Vor allem zu viel Mist.

Der Eröffnungsfilm Sightseers ist natürlich kein Mist, sondern eine vergnügliche Killer-Tour durch die hübsche Natur Englands. Tina (Alice Lowe) und Chris (Steve Oram), das frisch verliebte Pärchen, mit denen wir diese einwöchige Wohnwagenreise zu solch imposanten Touristenattraktionen wie dem "Pencil Museum" antreten, lernen in dieser Zeit die Abgründe des anderen kennen. So realisiert Tina schnell, dass Chris nicht, wie er behauptet, aus Versehen wiederholt Leute umbringt. Als Tina sich auf dieses Spiel einlässt und selbst anfängt, unliebsame Personen ins Jenseits zu befördern, gefällt Chris das aber auch nicht wirklich. Beziehungsstress ist die Folge.

Sightseers funktioniert auf mehreren Ebenen: als Beziehungsdrama, romantische Komödie, Road Movie und Serienkillerfilm. Die bei der Eröffnung anwesenden Hauptdarsteller kennen sich seit Jahren von Comedyprojekten, verfassten zusammen das Drehbuch und gingen zur Vorbereitung gemeinsam auf Campingtour. Im Gegensatz zum seinerzeit als Eröffnungsfilm fehlplatzierten Blödelsplatter Black Sheep findet Regisseur Ben Wheatley in Sightseers eine wunderbare Balance zwischen Ernst und Komik. So lässt er sich auf seine Figuren ein, lotet ihre Untiefen aus, ohne dabei gänzlich auf gelegentliche Albernheiten zu verzichten. Auch kurze Momente heftiger Gewalt bleiben nicht aus, werden allerdings nicht komisch gebrochen. Das wirkt ganz einfach, wenn man es sieht - aber wie viele Regisseure sind an dieser Gratwanderung bereits gescheitert?

Ein gelungener Auftakt!
7.5/10

Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

KILL LIST mochte ich überhaupt nicht und verstand auch nicht, warum alle auf den so abgingen. Der hier interessiert mich dementsprechend auch herzlich wenig, zum FFF geh ich dieses Jahr aber dennoch, wenn auch wie schon in den vergangenen zwei Jahren weitaus spärlicher als früher noch.

Jochen hat gesagt…

KILL LIST habe ich noch nicht gesehen. Aber nach SIGHTSEERS bin ich neugierig geworden und werde ihn mir sicherlich bei Gelegenheit mal ansehen.

Was steht auf deiner WATCH LIST?

Ich nehme das FFF dieses Jahr voll mit, weil ich im nächsten Jahr garantiert wieder nicht dazu kommen werde. Allerdings verspricht der Ferienplan 2014 einen weiteren ausgiebigeren Besuch :)

Flo Lieb hat gesagt…

Auf der Watch List steht mehr als ich Sehen werde. Aus zeitlichen Gründen (späte Startzeit und schlechte ÖPNV-Anbindung sind hier ausschlaggebend) kann ich leider nicht Compliance sehen, der mich sehr gereizt hat. Auch After, Excision und The Baytown Outlaws kann ich nicht mitnehmen. Ansehen werde ich daher lediglich Crawl - bei dem mich der auf A Serious Man bzw. Coens getrimmte Trailer angefixt hat - und Grabbers, sowie als "Highlight" Beats of the Southern Wild, auf den ich schon gespannt bin.

Jochen hat gesagt…

Ich kann dir versichern, der ÖPNV ist auch in Berlin ein Problem. Spätvorstellungen fallen für mich deshalb in der Woche weg.

Bis auf Grabbers werde ich keinen der von dir ausgewählten Filme sehen. Freu mich also auf deine Reviews!