Mittwoch, August 13, 2008

FFF-Ticker: Eröffnung - Eden Lake

Die erste Vorstellung des Eröffnungsfilms Eden Lake war ausverkauft, so dass einige Leute, wie üblich in einem solchen Fall, auf den Stufen des CinemaxX 7 Platz nehmen mussten. Prominenter Besuch war ebenso zugegen. Neben dem Regisseur James Watkins, der nach dem Screening für ein kurzes Q&A zur Verfügung stand, wurden die Filmfreunde Oliver Kalkofe und Oliver Welke als Privatbesucher im Publikum gesichtet.

Der Abend begann mit einem witzigen Puppentrailer von Magna Mana, wie man ihn schon aus dem letzten Jahr kennt. Dieses Jahr wird es aufgrund der Popularität des letztjährigen Trailers mehrere neue geben. Beim Betreten des Kinosaals bekam man noch eine Senator-Trailer-DVD in die Hand gedrückt, die sich wunderbar als Bierdeckel eignet, es sei denn, man schaut sich gerne synchronisierte Trailer von überwiegend nicht mehr ganz aktuellen Filmen an.

Es werde ein ernster Jahrgang, bei dem die Happy Endings gnadenlos weggeschnitten worden seien – so kündigte Rosebud die Filme der kommenden Woche an. Und Eden Lake macht diesem Vorsatz alle Ehre. Das FFF 2008 beginnt endlich mal wieder mit einem Kracher! Schluss mit lustig: Keine blöden Zombie-Schafe mehr, kein Splattergeblödel und auch kein selbstironischer Neo Noir. Eden Lake ist die bitterböse Abrechnung mit einer verrohenden Jugend und unfähigen Eltern. Im Gewand eines klassischen Stalkerfilms kämpft hier ein Liebespaar im Wald ums Überleben. Die Gegner: Gelangweilte britische Teenies. Ähnlich wie einige deutsche Filme (Wut / Knallhart) erklärt auch Eden Lake die Ursachen für die Gewaltbereitschaft der Kinder mit dem sozialen Milieu, aus dem sie stammen. Doch ist Ursachenforschung nicht das zentrale Anliegen des Films. Vielmehr soll das Publikum mit dem Mittelschichtspärchen mitleiden, deren Martyrium mitfühlen. Und das funktioniert auch ganz hervorragend, weil Regisseur James Watkins sich einerseits zwar an die Regeln des Stalkergenres hält, andererseits jedoch den Täterfiguren sehr viel mehr Tiefe verleiht, als es gemeinhin üblich ist. Gerade weil es sich hier nicht um Jason oder einen seiner Artgenossen handelt, ist man sich als Zuschauer nie sicher, ob die Unterschichts-Pennäler nicht irgendwann erkennen, was sie da gerade tun. Einigen von ihnen stehen Zweifel, Unsicherheit und Angst permanent ins Gesicht geschrieben, eine Revolte innerhalb der Gruppe scheint des Öfteren möglich. Aus dieser psychologischen Spannung zwischen den Figuren zieht Eden Lake ebenso seine Suspense wie aus dem klassischen Täter-Opfer-Spiel.

Ein großartiger Auftakt: 8.5/10.

Dienstag, August 12, 2008

FFF-Ticker: Einstimmung - Diary of the Dead

Zur Einstimmung auf das heute beginnende 22. Fantasy Filmfest (das 16., an dem ich teilnehme!) habe ich mir erneut George A. Romeros aktuellen Zombie-Beißer Diary of the Dead auf DVD zu Gemüte geführt. Dieses Mal nicht auf einem Bildschirm, sondern schön auf knapp zwei Meter Bilddiagonale gebeamt.

Auf dem Cover der DVD wird ein gewisser Nick Digilio von WGN Radio in Chicago mit den Worten zitiert: „****! A MASTERPIECE.“ - Diese Begeisterung kann ich gerade nach der zweiten Sichtung nicht teilen.

Sicherlich ist Diary of the Dead ein virtuos in Szene gesetzter Low-Budget-Streifen. Man merkt in fast jeder Szene, wie viel kreative Energie hinter der Kamera steckt. Doch liegt das Problem des Films im Genre begraben. Ein Zombiefilm eignet sich nicht dazu, eine selbstreflexive Dokumentationshaltung einzunehmen. Spätestens seit dem Blair Witch Project ist diese Idee ausgereizt. Und Romeros Versuche, dem ganzen Unterfangen eine politische Facette zu verleihen, wirkt (freundlich formuliert) äußerst bemüht.

Diary of the Dead stolpert über die eigenen Genregrenzen: Immer wieder müssen Episoden eingeschoben werden, in denen Zombies abgestochen, zerteilt, massakriert werden, oder (ganz überraschend) aus einer dunklen Ecke springen.

Dabei will Romero eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählen: Eine Geschichte über die heutigen Medien, über deren Kraft und Macht. Über die Möglichkeit eines Jeden, eine Kamera in die Hand zu nehmen, um einen Film zu drehen. Diesbezüglich sind die Bonusmaterialien der DVD verräterisch: Die Gewinner des zum Filmmarketing gehörenden myspace-Zombiefilm-Wettbewerbs werden hier präsentiert. Ironischerweise ist die DVD somit dem Film intertextuell, also selbstreferentiell, überlegen. Der Film wird im Angesicht seiner DVD-Auswertung zur Farce, auch wenn die stimmlichen Gastauftritte von Genregrößen wie Guillermo del Toro oder Stephen King auf dem Silbertablett präsentiert werden.

Dabei ist Diary of the Dead ein durchaus sehenswerter, aber leider nur scheinbar smarter Zombiefilm. Sein Ansatz wirkt gerade auch im Hinblick des zeitgleich erschienenen fragmentarischen Pseudo-Doku-Films Redacted kraftlos und veraltet, ja sogar völlig überholt.

Mit geringem Budget gedreht, können darüber hinaus die Splattereffekte auf einer größeren Homecinemaleinwand nicht immer überzeugen. Da wünscht man sich vergeblich Tom Savini herbei. Doch „natürliche“ Splattereffekte hätten die finanziellen Mittel des Films vermutlich ebenso gesprengt wie eine überzeugende Hauptdarstellerin.

Diary of the Dead reiht sich deshalb hinter Dawn-, Night- und Land of the Dead ein und teilt sich den unrühmlichen letzten Platz in Romeros Zombie-Filmographie mit Day of the Dead.

Montag, Juli 28, 2008

Short Cuts #8

Im Zuge meiner derzeitigen Stephen-King-Phase habe ich mir zum zweiten Mal Cujo angesehen. Der erste Kontakt mit dem Film liegt bestimmt 15 Jahre zurück. Ich hatte schlechte Erinnerungen, die sich nun bestätigten. Cujo ist ein miserabel inszenierter Thriller, mit hölzernen Figurenkonstellationen, schwachen Schauspielern und dem vermutlich nervigsten Kind der Filmgeschichte. Der Regisseur Lewis Teague (bestes Werk im miesen Œuvre: Wedlock) erweist sich als einfallslos und völlig überfordert, als es darauf ankommt, den Nervenkrieg zwischen der in einem Auto gefangenen Mutter (Dee Wallace) mit Kind und der Supertöle Cujo spürbar werden zu lassen. Das einzig Sehenswerte an Cujo sind die großartigen Make-up-Effekte am Bernhardiner. Ohnehin ist Cujo trotz seines tollwutartigen Verhaltens für mich der wahre Sympathieträger des Films – das sagt wohl alles!

Apt Pupil wurde von Bryan Singer für die große Leinwand adaptiert. Und wenn ich „große Leinwand“ schreibe, meine ich das in diesem Fall durchaus wörtlich. Denn die Hauptqualität dieser Stephen-King-Verfilmung steckt in den Bildern, die großartig kadriert und meist mit warmen Farben ausgeleuchtet sind. Auf diese Weise wird ein fast gruseliger Kontrast zum düsteren Inhalt aufgebaut. Allerdings scheitert diese Literaturverfilmung an ihrer Harmlosigkeit. Singer hat beim heiklen Thema "Konzentrationslager" nichts riskieren wollen, Kings Vorlage deshalb beachtlich entschärft. Und so plätschert Apt Pupil so vor sich hin, Brad Renfro und sogar Ian McKellen schaffen es nicht, uns in den Bann der Geschichte zu ziehen. Renfro guckt immer nur bedeutungsschwanger in die Kamera, McKellen quält sich mit einem deutschen Akzent ab, und so ist es mehr als gerechtfertigt, dass aus dem Zyklus der Different Seasons diese Verfilmung allgemein als die schwächste gilt.

The Mist ist Edeltrash für Männer. Eine hanebüchene Story, seltendämliche Figuren und die offenbar völlig konzeptlose Regie von Frank Darabont ergeben zusammen zwei Stunden launiger Trashunterhaltung. Zusammengeklaut aus etlichen Horror-B-Movies der 80er (kein Wunder, denn die Vorlage von King stammt aus dem Jahr 1980!) kann man sich bei The Mist vorzüglich über dessen unfreiwillige Komik amüsieren. Latex-Tentakel mit Zähnchen und fliegende CGI-Insekten, die aus dem Nebel auftauchen, sind aber bei weitem nicht so sehenswert wie Marcia Gay Harden: Die Figur ist eine Art Abziehbild von Carries Mutter (Carrie). Doch während Piper Laurie den religiösen Wahn sexuell auflud, beschränkt sich Harden auf die (zugegeben: leicht übertriebene, dennoch völlig überzeugende) Darstellung des Bösartigen. Schauspielerisch hat The Mist sonst nichts zu bieten, was man wohl eher der dümmlichen Handlungskonstruktion als den Darstellern ankreiden kann. Fazit: Herrlicher Trash mit völlig überzogenem Budget.

Sonntag, Juli 27, 2008

Gedrucktes: Different Seasons

Eine „Novella“ (oder: „Novelette“) habe gemeinhin eine Länge von 25.000 bis 35.000 Wörter, sei damit länger als eine Kurzgeschichte aber kürzer als ein gewöhnlicher Roman. Selbst den hartgesottensten Mainstream-Schriftsteller lasse die „Novella“ von Kopf bis Fuß erzittern, weil sie so gut wie gar nicht zu vermarkten sei. - Dies erklärt uns Stephen King in seinem Nachwort zu „Different Seasons“, einer Sammlung von insgesamt vier „Novellas“. Im Deutschen bezeichnen wir Geschichten wie jene in „Different Seasons“ als Erzählungen – mit dem Novellenbegriff sollte man vorsichtig umgehen, weil in der Germanistik (zumindest in den Feinheiten) bis heute ein Dissens über die Reichweite dieser literarischen Gattung herrscht.

Als „Different Seasons“ 1982 in die Regale der US-amerikanischen Buchhändler kam, war Stephen King schon so erfolgreich, dass er nun endlich auch seine „Novellas“ veröffentlichen konnte, die sich in den vorangegangen Jahren in der Schreibtischschublade angesammelt hatten. Sein Name war mittlerweile ein Markenzeichen für gute Horrorunterhaltung. Zwei Jahre zuvor hatte er noch die unlängst verfilmte Erzählung „The Mist“ in einer Horroranthologie zusammen mit anderen Schriftstellern publizieren müssen. Jetzt kümmerte es seinen Verleger wenig, dass es sich bei „Different Seasons“ nicht um einen Horrorroman, sondern um „Novellas“ handelte, die zudem noch jenseits des Genres angesiedelt waren. Hauptsache: Neues Lesefutter vom Meister für seine Jünger.

Obwohl „Different Seasons“ sicherlich nicht zu den meist gelesenen Werken im Œuvre Kings zählt, werden zwei Verfilmungen der Anthologie von Kritik und Publikum allgemein als herausragend angesehen: Die Adaption von „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ (Filmtitel: The Shawshank Redemption) befindet sich derzeit auf Platz zwei der Internet Movie Data Base Bestenliste, die Verfilmung von „The Body“ (Filmtitel: Stand by Me) auf Platz 161. Lediglich „Apt Pupil“ kann nicht so hoch punkten. Die umfangreichste und, neben dem unverfilmten Beitrag „The Breathing Method“ düsterste Geschichte, hat bei den Zuschauern ambivalente Reaktionen ausgelöst.

Stephen King ist meistens dann richtig gut, wenn er sich kurz fasst, wenn er auf den Punkt kommt, wenn er nicht ausschweifend erzählt. Damit meine ich nicht, dass sich die Qualität seiner Werke an der Seitenanzahl messen lässt. Schließlich hat King mehrere fette Schinken geschrieben, die schon heute zu den Klassikern der modernen Horrorliteratur zählen. Nein, Kings Tendenz, Nebensächlichkeiten hin und wieder überproportional aufzublasen, reißt mitunter auch den geneigtesten Leser aus der Geschichte. Legendär sind hierbei seine völlig aus dem Ruder gelaufenen Enden in „It“ und „The Stand“. King selbst weiß um diese Schwäche und hat sie mehrfach selbstkritisch eingestanden. - In „Different Seasons“ gibt es dieses Problem nicht. Die Form der „Novella“ lässt eine solch ausladende Erzählhaltung nicht zu. Das ist ein Grund dafür, warum dieser fünfhundert Seiten schmale Erzählband zum Besten zählt, was King bislang geschrieben hat.

Das Sujet dieser vier „Tales“ unterscheidet sich auf den ersten Blick komplett voneinander. „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ ist eine Gefängnisgeschichte, in „Apt Pupil“ wird geschildert, wie ein kalifornischer Knabe seiner Faszination an Konzentrationslagern erliegt. „The Body“ ist eine klassische Initiationsgeschichte, die vier Jungen auf ihrem Pilgerweg zu einer Leiche begleitet. Und im Zentrum der Rahmennovelle „The Breathing Method“ steht die Schwangerschaft einer jungen Frau, die von ihrem Liebhaber verlassen wurde.

Schaut man jedoch genauer hin, so lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen den Geschichten erkennen. Die vier Erzählungen verbindet neben der offenkundlichen zeitlichen Nähe zueinander (alle spielen hauptsächlich zwischen 1950 und 1980) ein deterministischer Aspekt, der manchmal mit einem von Kings liebsten Themen, der Theodizee, verknüpft wird. Ein Beispiel: In „Apt Pupil“ erkennt ein ehemaliger KZ-Insasse nach langem Nachdenken seinen einstigen Peiniger etwa dreißig Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs im Krankenhaus wieder. Sie teilen sich ein Zimmer. Der leicht verbitterte, die Existenz Gottes aufgrund seines harten Lebensweges kategorisch leugnende, alte Mann glaubt nun in seinem Krankenhausaufenthalt den wahren Grund zu erkennen: Gott habe ihn hierher geschickt, um die wahre Identität seines Zimmergenossen entlarven zu können. King lässt den alten Mann gleichzeitig auf wundersame Weise von seiner Wirbelsäulenfraktur genesen. - In „The Breathing Method“ hat sich von Beginn an das Schicksal gegen die schwangere Verkäuferin Sandra verschworen. Sie weiß es. Ihr Arzt weiß es. Doch er leugnet es im Gegensatz zu Sandra. - In „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ ringt Andy Dufresne mit seinem Schicksal, der fälschlichen Inhaftierung. Und in „The Body“ ist es das kurze Leben dreier der vier Jungen, das den Erzähler am Ende resignative Töne anschlagen lässt und ins Grübeln bringt, warum sich das Schicksal gegen seine Freunde verschworen hat, während der fiese Schläger Ace Merril noch lebt.

Morris Heisel in der Verfilmung von Apt Pupil: Er erkennt den Mörder seiner ersten Frau.

Darüber hinaus baut King ganz bewusst plakative Querverweise der Geschichten untereinander ein. So schafft er sein eigenes literarisches Universum. Arthur Dussander, der Alt-Nazi in „Apt Pupil“, bekommt von Andy Dufresne, dem Banker und Insassen in „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“, profitable Anlagetipps. Und der Mörder von Chris in „The Body“ ist ein frisch entlassener Häftling aus Shawshank. Lediglich „The Breathing Method“ weist keinen direkten Bezug zu den anderen Erzählungen auf, wenn man einmal davon absieht, dass auch hier die unsympathischen Figuren von King oft als Wähler der Republikaner gekennzeichnet werden.

King begründet die Titelwahl der Anthologie damit, unmissverständlich klarstellen zu wollen, dass es sich hierbei nicht um Horrorgeschichten handelt. Zwar weist er im gleichen Atemzug auf die in den Storys enthaltenen Horrormotive hin, nachvollziehbar im Lichte seiner bisherigen Werke ist dieses Argument jedoch allemal. Allerdings leuchten die Zuordnungen nur ein, wenn man etwas um die Ecke denkt. Denn mit Ausnahme der „Breathing Method“, in der dem Winter tatsächlich eine handlungstragende Bedeutung zukommt, scheinen die Zuordnungen willkürlich, ja sogar unlogisch zu sein. So spielt „The Body“ größtenteils in den Sommerferien, ist aber dem Herbst zugeordnet. „Apt Pupil“ und „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ enfalten sich über mehrere Jahre. Sinn ergeben die Jahreszeitenmotive nur, wenn man sie mit den doppeldeutigen Anthologietiteln verbindet: „Hope springs eternal: Rita Hayworth and Shawshank Redemption“, „Summer of Corruption: Apt Pupil“, Fall from Innocence: The Body“, „A Winter's Tale: The Breathing Mehod“. Freilich wirkt das konstruiert und die etwas pathetisch gewählten Titel scheinen die Texte schon zu deuten, bevor man überhaupt mit dem Lesen begonnen hat. Zum Glück erweist sich der ehemalige Englischlehrer Stephen King, trotz der fraglos enthaltenen erzieherischen Elemente, als begnadeter Geschichtenerzähler: Eine griffige, schnörkellose Sprache, ein Gefühl für Ton und Slang der verschiedenen Milieus und Äras, die er schildert, und vor allem sein Blick für wesentliche Details lassen die Erzählungen frisch, ehrlich und trotz ihres außergewöhnlichen Inhalts stets lebensnah wirken.

Samstag, Juli 05, 2008

Hitchcock und Truffaut als "Hörbuch"

Manchmal muss man das digitale Zeitalter einfach lieben: Der Filmblog If Charlie Parker Was a Gunslinger, There'd Be a Whole Lot of Dead Copycats hat über die letzten zwei Jahre die Tonband-Interviews zwischen François Truffaut und Alfred Hitchcock veröffentlicht, die die Grundlage für die Mutter aller Filmbücher bilden: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? Nun liegt also die Hörbuchfassung dieses "journalistischen Meisterstücks" (SZ) vor. Neunzehn Folgen sind bei If Charlie Parker... bislang im mp3-Format erschienen. Mein MP3-Player wird umgehend gefüttert...

Hier geht's zu den Aufnahmen!

Sonntag, Juni 29, 2008

Short Cuts #7

21 ist die komplett misslungene Verfilmung von Ben Mezrichs "Bringing Down the House": Eine Handvoll Studenten nimmt durch Kartenzählen Casinos beim Blackjack aus. Dass der Stoff das Potenzial für einen guten Film hat, beweist die Erstverfilmung The Last Casino eindrucksvoll. Während der kanadische TV-Film für mich ein stiller Höhepunkt des Jahres 2004 war, zählt 21 schon jetzt zu den Gurken des Jahres 2008. Prätentiös, durchweg miserabel geschauspielert (um nicht zu sagen: komplett fehlbesetzt!), schlecht geschrieben, mies geschnitten und viel zu süßlich inszeniert. Nicht anschauen!

Vantage Point ist eine Art Dünnbrettbohrervariante von Brian De Palmas Snake Eyes, verschenkt die Möglichkeiten, die die für einen Hollywoodfilm zugegebenermaßen mutige Erzählstruktur bietet. Gut gecastet, zügig inszeniert, aber eben nur ungenügend gescriptet. Als reines Entertainment erträglich, aber weit entfernt von einem guten Film.

All the Boys love Mandy Lane: Guter Slasher, der selbstbewusst mit den Konventionen des Genres umgeht, seine Vorbilder liebevoll zitiert und vor allem durch eine hinreißende Hauptdarstellerin (Amber Heard) zu überzeugen weiß. Der seit Scream obligatorische Plottwist ist zwar leicht vorherzusehen, das tut dem Filmvergnügen jedoch keinen Abbruch, weil der 70's-Look zusammen mit dem großartigen Soundtrack eine nostalgische Atmosphäre erzeugt, der man sich gerne hingibt.

Freitag, Juni 20, 2008

Top Ten der Genre-Filme


Das American Film Institute veröffentlichte kürzlich die zehn besten US-Filme verschiedener Genres. Hier die Ergebnisse - über die eine oder andere Nennung ließe sich sicherlich vorzüglich streiten!

ANIMATION

1. "Snow White and the Seven Dwarfs“, 1937.

2. "Pinocchio“, 1940.

3. "Bambi“, 1942.

4. "The Lion King“, 1994.

5. "Fantasia“, 1940.

6. "Toy Story“, 1995.

7. "Beauty and the Beast“, 1991.

8. "Shrek“, 2001.

9. "Cinderella“, 1950.

10. "Finding Nemo“, 2003.

FANTASY

1. "The Wizard of Oz“, 1939.

2. "The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring“, 2001.

3. "It's a Wonderful Life“, 1946.

4. "King Kong“, 1933.

5. "Miracle on 34th Street, 1947.

6. "Field of Dreams“, 1989.

7. "Harvey“, 1950.

8. "Groundhog Day“, 1993.

9. "The Thief of Bagdad“, 1924.

10. "Big“, 1988.

GANGSTER

1. "The Godfather“, 1972.

2. "Goodfellas“, 1990.

3. "The Godfather Part II“, 1974.

4. "White Heat“, 1949.

5. "Bonnie and Clyde“, 1967.

6. "Scarface: The Shame of a Nation“, 1932.

7. "Pulp Fiction“, 1994.

8. "The Public Enemy“, 1931.

9. "Little Caesar“, 1930.

10. "Scarface“, 1983.

SCIENCE FICTION

1. "2001: A Space Odyssey“, 1968.

2. "Star Wars: Episode IV — A New Hope“, 1977.

3. "E.T. the Extra-Terrestrial“, 1982.

4. "A Clockwork Orange“, 1971.

5. "The Day The Earth Stood Still“, 1951.

6. "Blade Runner“, 1982.

7. "Alien“, 1979.

8. "Terminator 2: Judgment Day“, 1991.

9. "Invasion of the Body Snatchers“, 1956.

10. "Back to the Future“, 1985.

WESTERN

1. "The Searchers“, 1956.

2. "High Noon“, 1952.

3. "Shane“, 1953.

4. "Unforgiven“, 1992.

5. "Red River“, 1948.

6. "The Wild Bunch“, 1969.

7. "Butch Cassidy and the Sundance Kid“, 1969.

8. "McCabe & Mrs. Miller“, 1971.

9. "Stagecoach“, 1939.

10. "Cat Ballou“, 1965.

SPORTS

1. "Raging Bull“, 1980.

2. "Rocky“, 1976.

3. "The Pride of the Yankees“, 1942.

4. "Hoosiers“, 1986.

5. "Bull Durham“, 1988.

6. "The Hustler“, 1961.

7. "Caddyshack“, 1980.

8. "Breaking Away“, 1979.

9. "National Velvet“, 1944.

10. "Jerry Maguire“, 1996.

MYSTERY

1. "Vertigo“, 1958.

2. "Chinatown“, 1974.

3. "Rear Window“, 1954.

4. "Laura“, 1944.

5. "The Third Man“, 1949.

6. "The Maltese Falcon“, 1941.

7. "North By Northwest“, 1959.

8. "Blue Velvet“, 1986.

9. "Dial M for Murder“, 1954.

10. "The Usual Suspects“, 1995.

ROMANTIC COMEDY

1. "City Lights“, 1931.

2. "Annie Hall“, 1977.

3. "It Happened One Night“, 1934.

4. "Roman Holiday“, 1953.

5. "The Philadelphia Story“, 1940.

6. "When Harry Met Sally ...“, 1989.

7. "Adam's Rib“, 1949.

8. "Moonstruck“, 1987.

9. "Harold and Maude“, 1971.

10. "Sleepless in Seattle“, 1993.

COURTROOM DRAMA

1. "To Kill a Mockingbird“, 1962.

2. "12 Angry Men“, 1957.

3. "Kramer Vs. Kramer“, 1979.

4. "The Verdict“, 1982.

5. "A Few Good Men“, 1992.

6. "Witness for the Prosecution“, 1957.

7. "Anatomy of a Murder“, 1959.

8. "In Cold Blood“, 1967.

9. "A Cry in the Dark“, 1988.

10. "Judgment at Nuremberg“, 1961.

EPIC

1. "Lawrence of Arabia“, 1962.

2. "Ben-Hur“, 1959.

3. "Schindler's List“, 1993.

4. "Gone With the Wind“, 1939.

5. "Spartacus“, 1960.

6. "Titanic“, 1997.

7. "All Quiet on the Western Front“, 1930.

8. "Saving Private Ryan“, 1998.

9. "Reds“, 1981.

10. "The Ten Commandments“, 1956.

Freitag, Juni 06, 2008

Short Cuts #6

AVP 2: Zunächst das Positive: AVP 2 drangsaliert den geneigten Zuschauer im Gegensatz zum Vorgängerfilm nicht mit einer furchtbar ausgewalzten Exposition. Nun das Negative: Dafür baut der Horrorheuler zu keinem Zeitpunkt eine mitreißende Spannung auf. Die Figuren sind farblose Stereotypen. Die Action ist in Ordnung aber nie wirklich überraschend. Das hat man alles schon mehrfach gesehen. Die Kämpfe der Kreaturen sind weniger gut choreografiert als in Teil 1. Fazit: Ein Trashfilm, an dem man leider nicht vorbeikommt - das Potenzial von Idee und Budget wird durch die 08/15-Inszenierung der Gebrüder Strause allerdings verschenkt.

Juno: Durch den Oscar eine zu Unrecht hochgehypte Schwangerschaftsgeschichte, die Achtklässler in Schulvorstellungen langweilt und Erwachsenen ob der Unglaubwürdigkeit der Hauptfigur eigentlich auch die Filmfreude vergällen müsste. Warum das bei vielen Volljährigen offenbar nicht der Fall ist, kann ich nicht nachvollziehen. Juno wirkt mit ihren genau kalkulierten Drehbuchsprüchen furchtbar altklug und als Figur durch und durch konstruiert. Trotzdem: Der Retroflair funktioniert.

Cassandra's Dream: Großartiges aus dem Hause Allen! Vielleicht hätte der Vorzeige-New-Yorker früher nach England gehen soll. Denn seitdem er dort ist, liefert er nur noch gute Filme ab. Absolutes Highlight hier: Colin Farrell als spielsüchtiger Automechaniker. Obgleich die Chemie zwischen Farrell und seinem Filmbruder Ewan McGregor stimmt, wird McGregor von Farrell des Öfteren glatt an die Wand gespielt. Die weibliche Hauptrolle ist allerdings ein Totalaussetzer. Hayley Atwell gibt die opportunistische Aktrice Angela dermaßen gelangweilt, dass einem nicht nur die Figur unsympathisch wird, sondern auch die Szenen missfallen, in denen sie auftaucht.

The Two Jakes: Kürzlich erneut gesichtet und schwer begeistert! Völlig zu Unrecht unterschätzter Neo Noir, der seinem Vorgänger nicht um viel nachsteht. Vilmos Zsigmonds Kameraarbeit ist fantastisch, überflügelt locker den Look von Chinatown. Harvey Keitel kann man zwar des Overactings bezichtigen und dem Plot einige Längen vorhalten, doch die Stimmung ist feinstes Noir. Schade, dass der geplante und am Ende des Streifens angedeutete dritte Teil nie gedreht wurde.

Interview: Intimes Kammerspiel von und mit Steve Buscemi. Es handelt sich um ein Remake des 2003 gedrehten Films vom niederländischen Filmemacher Theo van Gogh. Ein lehrreiches Stück über Manipulation, Macht, Schauspiel, Lügen, Drogen und noch unendlich mehr, das hier nicht alles aufgezählt werden soll. In a nutshell: Für Arthouse- und Buscemi-Fans ein Muss, Actionfanatiker sollten fernbleiben.

Freitag, April 25, 2008

The Fury Remake

Variety berichtet von einem The Fury-Remake, das derzeit bei FOX 2000 in Arbeit sei. Im Zentrum der Handlung soll ein Junge stehen, der über telekinetische Kräfte verfügt und von der Regierung entführt wird, um als Waffe eingesetzt zu werden. Brian De Palmas Original von 1978 konzentrierte sich hingegen auf den Vater des Entführten, der verzweifelt versucht, seinen Sohn aus den Händen der Entführer zu befreien. Bislang wurde nicht bekannt gegeben, wer Regie führen wird.

Dienstag, April 01, 2008

Short Cuts #5

Frank Oz' Death at a Funeral hat etwas geschafft, was die meisten Komödien nicht vermögen: Dieser Film hat mich oftmals so laut auflachen lassen, dass ich anschließend gezwungen war, die Rückspultaste zu betätigen, um nichts zu verpassen. Selten entsteht aus einer Koproduktion etwas solch Fabelhaftes wie hier. Der Humor dieses amerikanisch-deutsch-englisch-niederländischen Werkes ist allerdings zutiefst britisch. Dieses Kammerspiel lässt keine Wünsche offen. Bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt, ansehnlich ausgestattet und bebildert, pointiert geschrieben und mit einem sensiblen Gespür für Timing geschnitten. Death at a Funeral empfehle ich uneingeschränkt!

Irina Palm ist ebenfalls eine Koproduktion (Belgien, Luxemburg, UK, Deutschland und Frankreich) und präsentiert uns eine erschreckend hausfrauenhafte Marianne Faithfull, die, um das Geld für eine kostspielige Behandlung ihres todkranken Enkelkindes zusammenzubekommen, in einem Tabledance-Schuppen Männern einen Handjob verpasst. Sie avanciert zu einem Star der Szene, wird von der Konkurrenz umworben, weil sie die angeblich beste rechte Hand Londons hat. - Faithfull baut mit ganz kleinen Gesten um ihre Figur einen solch komplexen Kosmos auf, so dass auf dröge, erklärende Dialoge verzichtet werden kann. Ein zutiefst menschlicher Film, der zwar die komischen Früchte der konstruierten Situation genüsslich zu ernten versteht, zugleich aber nie vergisst, dass es im Kern um etwas ganz anderes geht: Die anrührende Geschichte einer späten Emanzipation. Großartig!