Force of Evil ist einer der 75 Filme, die Sight and Sound kürzlich als vergessene Perlen anpries. Und in der Tat entwirft Regisseur Abraham Polonsky in nur 78 Minuten eine einprägsame Fabel über Brüderliebe, Schuld, Reue und Erlösung. Der smarte Rechtsanwalt Joe Morse (John Garfield) plant zusammen mit seinem Arbeitgeber, dem Groß-Gangster Ben Tucker (Roy Roberts), die Wettbüros in New York zu sprengen. Am 4.7. sorgen sie dafür, dass die Zahl 776 (am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet) in allen wichtigen Spielen gewinnt. Die Spielbanken gehen bankrott, weil viele Zocker an diesem Tag die 776 spielen, und Tucker kann sie mit seiner Organisation übernehmen und monopolisieren. Doch Joe will seinen älteren Bruder Leo (Thomas Gomez) warnen, der ein kleines Zahlenspielbüro leitet. Joes Problem: Leo möchte von diesen Gangstergeschichten nichts wissen. Eine Tragödie bahnt sich an, in der Joe zwischen zwei Kräften langsam zerrieben wird: Seiner Geldgier und der Loyalität zu seinem Bruder. - Der Plot ist streckenweise etwas verworren. Eine Zweitsichtung wäre sicherlich nicht verkehrt. Dennoch: Force of Evil ist unglaublich sozialkritisch, ohne dabei gezwungen oder pathetisch zu wirken. Man merkt, es liegt Abraham am Herzen, diese Geschichte über Richtig und Falsch, Gut und Böse zu erzählen. Und er findet die perfekte Form dafür, denn dies ist einer jener seltenen Filme, von denen man sich jede einzelne Einstellung in Plakatgröße an die Wand hängen könnte: George Barnes (Rebecca) strenge Schwarzweißmalereien haben meinen Kiefer mehrmals runterklappen lassen. Sight and Sound hat also Recht: Eine vergessene Perle!79 Punkte.
Sunset Blvd. von Billy Wilder hätte wie Double Indemnity eine ausführliche Besprechung verdient. Und vielleicht werde ich das zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Wie auch immer: Diese bitterböse Komödie gehört zum Besten, was Film noir zu bieten hat. - Der junge Drehbuchautor Joe Gillis (William Holden) findet sich mit einem platten Reifen und auf der Flucht vor Gläubigern in der Einfahrt der alternden Hollywooddiva Norma Desmond (oscarnominiert: Gloria Swanson) wieder, die in einer äußerlich verwilderten, gotisch eingerichteten Villa mit ihrem Butler (Erich von Stroheim) lebt. Der steinreiche Ex-Hollywoodstar bietet Gillis eine Unterkunft und exzellente Bezahlung für die Überarbeitung ihres selbst verfassten Drehbuchs Salome. Gillis akzeptiert und gerät immer mehr in die Fänge der in ihrer Vergangenheit gefangenen, irren und dennoch charismatischen Norma. Als er aus ihrem Griff auszubrechen versucht, begeht sie einen Selbstmordversuch, um ihn an sich zu binden - mit Erfolg. Doch Gillis verliebt sich schließlich in eine andere Frau (Nancy Olson). - Erzählt in einem einzigen, umfassenden Flashback und mit wundervollen Cameos von Hollywoodgrößen wie Cecille B. De Mille und Buster Keaton angereichert, ist Sunset Blvd. neben Robert Altmans The Player die bissigste Satire über die Traumfabrik, die mir bekannt ist. Gleichzeitig führt uns Billy Wilder vor, wie sehr Ruhm in jungen Jahren die Psyche eines Menschen zeitlebens durcheinanderwirbeln, ja zerstören kann. Ein zeitloses Thema. Und so ist Gloria Swanson, deren persönliche Karriere einige Ähnlichkeiten mit der ihres Alter Egos aufweist, der eindeutige Star und lässt die ebenfalls oscarnominierten Leistungen Holdens und Olsons in den Hintergrund rücken. Einzig Erich von Stroheim, der sich in gewisser Weise auch selbst spielt, vermag es, Swanson zu überstrahlen. - Ein Meilenstein im Œuvre Billy Wilders und ein Pflichtfilm für jeden Filmfreund!95 Punkte.





















