Zur Eröffnung des diesjährigen Londoner Film Festivals hielt Regisseur Ken Loach eine gepfefferte Rede zur Lage des Kinos. So freute er sich beispielsweise darüber, dass zwei hochrangige BBC-Menschen dieser Tage ihren Job verlieren, beklagte den mangelnden Zugang zu Filmen des Weltkinos (nur rund 3 Prozent der in Großbritannien gezeigten Filme seien ohne US-Einfluss entstanden) und rief seine Kollegen dazu auf, sich der großen Gleichmacherei entgegenzustellen, unbequem zu sein, sich gegen das Establishment zu stellen und schon gar nicht vor der Queen im Staub zu kriechen.
Eine Zehnminutenversion der sogenannten Keynote Speech gibt's bei youtube.
Filmfreunden ist schon lange klar, dass moderne Serien Kinofilmen künstlerisch in nichts mehr nachstehen, sie sogar überflügeln, wenn es um Figurenzeichnungen, Plot-Komplexität und das Sprengen von Tabugrenzen geht. Nun startet am morgigen Sonntag die 20 Millionen Dollar teure Pilotfolge von Boardwalk Empire auf dem US-amerikanischen Bezahlfernsehsender HBO. Regie hat niemand geringerer als Martin Scorsese geführt. Setting: Atlantic City zu Beginn der Prohibitionsära. In der Hauptrolle: Steve Buscemi als Gangster namens Nucky Thomspon. Natürlich kommen einem die Sopranos ins Gedächtnis, wenn man die Schlagworte HBO, Gangster und Steve Buscemi hört. Und HBO scheint mit Boardwalk Empire an die Erfolge der im Sommer 2007 ausgelaufenen Serie anknüpfen zu wollen. Ich bin sehr gespannt!
Die Süddeutsche geht heute in einem lesenswerten Artikel ausführlich auf die neue HBO-Serie ein. Offenbar sind viele US-Kritiker (aber auch Drehbuchautoren) frustriert über das derzeitige Kinoangebot und die beschränkten Möglichkeiten, die Filmstudios dieser Tage noch erlauben.